Gesetze und Normen für Fahrrad-Kindersitze mit einem Augenzwinkern erklärt

Wie schön einfach sind doch deutschen Gesetze für Kindersitze 😉

Wenn Sie als junge Eltern Ihren Sprössling auf dem Fahrrad mitnehmen wollen, brauchen Sie dafür einen besonderen Sitz. Aha!

Das Kind darf maximal 7 Jahr alt, Sie müssen mindestens 16 Jahre alt sein. Zumindest letzteres ist wohl in unseren Breiten die Regel.

Desweiteren müssen Sie durch eine Radverkleidung oder ähnliches dafür sorgen, dass der Prinz oder die Prinzessin nicht mit den Füßchen in die Speichen geraten. Alles nachlesbar im Paragrafen 21 der Straßenverkehrsordnung.

(3) Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können. Hinter Fahrrädern dürfen in Anhängern, die zur Beförderung von Kindern eingerichtet sind, bis zu zwei Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden. Die Begrenzung auf das vollendete siebte Lebensjahr gilt nicht für die Beförderung eines behinderten Kindes.

Kein Problem, oder? Dann durchforsten Sie mal das Internet nach dem passenden Fahrrad-Kindersitz. Wieso passend, fragen Sie jetzt?

  • Ja, wie alt ist Ihr Kind denn?
  • Kann es überhaupt schon selbstständig sitzen?
  • Haben wir es da eher mit einem Zappelphilipp zu tun, oder gehört Ihr Spross zur bedächtigeren Art?
  • Größe und Gewicht sind ja wohl auch nicht gleich bei allen unter sieben.

ECE Norm R 44/* gilt für Auto-Kindersitze

Seit dem April 2008 dürfen im Auto nur noch Sitze verwendet werden, die die Prüfnormen ECE R 44/03 oder besser noch ECE R 44/04 erfüllen. Sie werfen einen Blick auf das am Sitz befestigte Prüfsiegel und sind im Bilde.

Exemplare mit den Endziffern /01 oder der /02 gehören schlichtweg in den Müll. Alters- und Gewichtsklassifizierungen erleichtern die Entscheidung. Doch diese Norm hat für Fahrrad-Kindersitze keine Bedeutung.

Auf dem Fahrrad gilt DIN EN 14344

Hier gibt es stattdessen die DIN EN 14344 (2004). Mit ihr wurden übereinstimmende Anforderungen der beteiligten Länder an Fahrrad-Kindersitze auf europäisches Rechtsniveau gehoben. Und zwar für Kinder mit einem Gewicht von 9 bis 22 Kilogramm.

Die Norm 14344 regelt

  1. konstruktive Festigkeit
  2. Werkstoffbeschaffenheit
  3. weitere Sicherheits- sowie die Prüfkriterien

Sie kennt zwei Klassen von Rücksitzen, sprich, hinter dem Fahrer montierten Kinderfahrradsitze, sowie eine Klasse für Frontsitze:

  • A15, Sitz hinten, für Kinder von 9 bis 15 kg Körpergewicht 
  • A22, Sitz hinten, für Kinder von 9 bis 22 kg Körpergewicht
  • C15, Sitz vorne, für Kinder von 9 bis 15 kg Körpergewicht
    Nach dieser Norm zugelassene Frontsitze gibt es für die Montage zwischen Lenker und Fahrer.

Es ist ganz bestimmt eine gute Sache, wenn Sie sich für einen Fahrrad-Kindersitz mit einem solchen Prüfsiegel entscheiden, aber…

Ja, was machen Sie, wenn Ihr Kind noch gar keine 9 kg wiegt?

Die Straßenverkehrsordnung jedenfalls erlaubt die Mitnahme. Genau, auf einem besonderen Sitz, Sie erinnern sich? Sie können beruhigt sein. Grundsätzlich sind die nach der EN 14344 geprüften Sitze für leichtere Kinder geeignet.

Achten Sie beim Kauf aber auf die hinreichende Größenverstellbarkeit von Rückenlehnen, Kopfstützen und Fußhalterungen. Das Kind sollte möglichst durch einen Drei-Punkt-Hosenträgergurt im Sitz fixiert werden.

Wichtig sind Kopfstützen, die im Falle eines kleinen Nickerchens noch ausreichend Halt geben. Der Speichenschutz sollte möglichst großflächig sein. Und rutschfeste Fußstützen geben zusätzliche Sicherheit.

Messen Sie also Ihren künftigen Sozius und wählen Sie den Sitz passend nach Größe und Gewicht.

In Deutschland ist es übrigens nicht verboten, Fahrrad-Kindersitze vor dem Lenker zu montieren. Aber niemals an schwenkbaren Lenkungsteilen!

Wenn Sie eine solche Konstruktionen besser finden, achten Sie darauf, dass 2/3 des Schwerpunkts der Sitzfläche zwischen den beiden Fahrradachsen liegen muss.

Aber mal ehrlich, es gibt so viele Modelle für die beiden anderen Montagearten, warum also zum Fahrradakrobaten werden? Die Frontmontage führt zu recht instabilen Lastverhältnissen am Fahrrad.

Apropos Fahrrad. Die Montageeinrichtungen des Sitzes müssen konstruktiv zum Fahrrad passen. Ovale Rahmenrohre sind meist ungeeignet für eine Sitzbefestigung.

Verantwortungsbewusste Eltern montieren Fahrrad-Kindersitze nur an Fahrrädern, bei denen Bereifung, Bremsen und Beleuchtung in Ordnung sind.

Dass Sie auf Tour mit Ihrem Sprössling alle Verkehrsregeln einhalten, versteht sich von selbst, oder?